Die Geschichte der Pfalzklause

Vor langer, langer Zeit (in etwa im Jahre 1990) haben Jochen und ich die Pfalz als das ideale Wander- und auch Weinland für uns erkannt, was zur Folge hatte, dass wir immer häufiger - auch kurzfristig - (z.B. wenn Jochen an Freitagabenden nach der Chorprobe feststellte, dass sich unser Weinvorrat auf 3 Sorten reduziert hatte) beschlossen, diese gesegnete Gegend aufzusuchen.

Was sich dann in Sachen geeigneter und bezahlbarer Unterkunft irgendwann, spätestens mit dem Neuzugang in unserer Familie (Hund Higgins), schwieriger gestaltete. So beschlossen wir, uns in der Kurpfalz ein bleibendes Quartier in Form einer Ferienwohnung/-häuschens anzuschaffen und besorgten uns den "Sperrmüll", eine Anzeigen-Zeitschrift, machten Termine mit Inserenten und sahen uns die angebotenen Immobilien an.

Ein Angebot in der Nordpfalz lag wunderschön mitten im Wald nur durch einen Waldweg zu erreichen, ein riesen Areal voller Brombeersträucher und Hollunderbüsche und einem nicht mehr bewohnbaren Gebäude. Irgendwie hätte es uns gereizt, aber ob man da eine Abriss-, abgesehen von einer Neubaugenehmigung bekommen hätte, war mehr als fraglich. und dann das Problem: da so abseits gelegen, wäre man "Stunden" unterwegs um die vergessene Butter zu besorgen.

 

Ein anderes Angebot lag in einer zugegeben wunderschönen Ferienhäuschenanlage, hatte aber leider kein fließendes Wasser nur eine Zisterne (ich stellte mir vor: ich stehe schön eingeseift unter der Dusche und die Zisterne sagt "No! Kein Wasser mehr da!"), man hätte aber den Schlüssel für die Quelle im Dorf unten zur Frischwasserbesorgung erhalten... Das war uns irgendwie auch etwas zu aufwändig und abenteuerlich.

Zu guter Letzt standen wir dann in einem alten Fachwerkhaus, Baujahr 1840, das eigentlich etwas zu groß und auch eigentlich etwas teuerer war, als wir uns vorgestellt hatten, aber die Wirkung, die dieses Haus auf uns ausübte, war schon enorm: Jo und ich wurden ganz ruhig und beide haben wir wahrscheinlich in diesem Moment schon die Gardinen aufgehängt und die Möbel gestellt. Es war zwar noch eine ganze Menge zu verbessern, auszubessern und auszutauschen (z.B. die Fenster - Einfachverglasung, das Glas nicht eingekittet sondern mit 2 Nägeln und Zeitungspapier am Rahmen befestigt - und die Treppe - eine Hühnerleiter ohne irgendeine Art von Geländer - usw., aber wir waren glücklich und kauften unser Traumhaus!

 

Zur Geschichte des Hauses stellte sich folgendes heraus:

 

Das Haus gehörte einer Familie Ruckstuhl und war schon ziemlich sehr zerfallen (die Fenster und einige Teile des Hauses waren mit Maschendraht gesichert), als der Vorbesitzer es - wahrscheinlich für "´nen Appel und ´Ei" - kaufte. Auf dem Grundstück standen ein Wohnhaus, diverse Stallungen und eine riesige baufällige Scheune.

Der Vorbesitzer war ein fähiger Handwerker und noch dazu ein Künstler - auch ein Lebenskünster. Er verdiente sich z.T. seinen Lebensunterhalt mit Arbeiten auf diversen Baustellen und überall, wo er etwas mitnehmen konnte, das nicht mehr gebraucht wurde, hat er das getan und ins Häuschen eingebaut: z.B. 3 unterschiedliche Parkettsorten im Wohnzimmer, u.a. Parkett aus einer Turnhalle, die verschiedensten farbigen Fliesen im Bad, Glasmosaik anstelle beschädigter oder fehlender Fliesen usw..

Als er dann irgendwann dazu überging mehr Energie in Teetrinken und Trommelbauen anstelle Arbeiten zu stecken, musste er zuerst "unser" Haus verkaufen und baute sich die ehemaligen Stallungen als Wohnhaus aus. Dann musste er auch dieses noch verkaufen und verschwand aus der Gegend. Gekauft hatte das hintere Haus ein junger Bahnbediensteter, der es - da immer noch ohne Heizung - dann an uns weiterverkaufte. Für mich war dieser Schritt der absolute Traum, da ich schon immer voller Neid auf den großen Garten hinter der Scheune geschaut hatte.

 

Jetzt begann für uns erst einmal viel Arbeit. Das hintere Haus musste "richtig" bewohnbar gemacht werden, die Scheune entsorgt (wir fanden jemanden, der alles brauchen konnte und uns von dem Ungetüm erlöste) und der Garten hergerichtet werden. Der Abfall aus der Scheune bannte 3 Tage lang (tatsächlich auch zur großen Freude der Nachbarn, denen endlich der hässliche Anblick erspart wurde und die jetzt endlich Licht und Sonne auf der Terrasse hatte) und ich bekomme bestimmt keine Rheuma mehr, da der Garten aus 70% Brennessel und 30 % Zitronenmelisse bestand.

 

Im Jahr 2014 wurden beide Häuser renoviert, die Fußböden im OG, das Bad und die Küche erneuert und wir selbst sind im hinteren Haus eingezogen.  Auf beiden Häusern sind neue, isolierte Dächer, eine Solaranlage sorgt für warmes Wasser im Sommer und eine Holzpelletheizung für Wärme im Winter. 

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